Mehr zu den Ebenen nach Hockenholz:

Lokale Ebene:

Die lokale Ebene ist der Bereich, in dem sich der Schmerz äußert. Nicht immer befindet sich die Ursache für den Schmerz in der lokalen Ebene, vor allem, wenn er schon länger besteht.

 

Fasziale Ebene:

Faszien sind aus Bindegewebe und  haben wichtige Funktionen im Körper. Sie umschließen die Muskeln, Nerven und Organe. Im Körper ist alles verbunden durch Faszien.

Das Zusammenspiel der Faszien spielt eine Rolle bei der Bewegung, im Stoffwechsel und in der Körperwahrnehmung. Sie nehmen Kräfte auf, die auf den Körper einwirken und verteilen sie auf den Körper. Das bedeutet, dass sich nach einer Verletzung im Bereich des Sprunggelenkes durch Spannungsübertragung über die Faszien die Symptomatik bis zum Kiefergelenk ausbreiten kann. Der Hauptschmerz kann am Kiefergelenk sein, wobei die aufsteigende Spannung vom Sprunggelenk über die Faszien die eigentliche Ursache ist. Jüngere Forschungen haben herausgefunden, dass Faszien auf Stressbotenstoffe reagieren, die zum Beispiel bei Schlafmangel, Depressionen oder anderem Stress freigesetzt werden. Sie ziehen sich dann zusammen und erhöhen ihre Spannung. Außerdem weiß man, dass sich in den Fasern der Faszien feine Nervenendigungen befinden, die Schmerzen vermitteln.

Faszien zu behandeln ist also eine wichtige Säule in der Schmerztherapie, in der Prävention und im Reha-Konzept.

 

Segmentale Ebene:

Diese Ebene beschreibt z.B. einen Hautbereich (Dermatom) oder einen Muskelbereich (Myotom), der von einem Rückenmarksnerven versorgt wird, der aus einem bestimmten Wirbelsäulenabschnitt (Segment) kommt. Bei Störungen des 3. und 4. Halswirbelkörpers kann es zu Schmerzen im Schulter-Nackenbereich kommen. Diese werden häufig als Verspannungen gedeutet und dann nicht ursächlich an der Halswirbelsäule behandelt.

 

Vegetative Ebene:

Das vegetative Nervensystem, auch autonomes Nervensystem  oder Vegetativum genannt, dient zur Aufrechterhaltung des inneren Gleichgewichts der lebenswichtigen Körperfunktionen. Dazu gehören z.B. Herzschlag, Atmung, Blutdruck, Verdauung und der Stoffwechsel. Auch Organe werden vom Vegetativum innerviert. Jede Schmerzsymptomatik hat immer eine vegetative Komponente. Das vegetative Nervensystem wird untergliedert in


  • ·          Sympathisches Nervensystem
  • ·          Parasympathisches Nervensystem
  • ·          Enterisches Nervensystem ( = Nervensystem des Magen-Darm-Traktes)

 

Der Sympathikus und der Parasympathikus wirken als Gegenspieler: Während der Sympathikus anregende und leistungsfördernde Anreize vermittelt, kümmert sich der Parasympathikus um die Körperfunktionen in Ruhe und der Regeneration. Er aktiviert z.B. die Verdauung und sorgt für Entspannung. 

Über das VNS werden Signale vom Rückenmark in die Periferie (in das Äußere) des Körpers weitergeleitet. Aber über die Nervenstränge von Sympathikus und Parasympathikus werden auch Signale von den Organen zum Zentralen Nervensystem geleitet. Viele Schmerzreize des Körpers nehmen diesen Weg.

 

Das vegetative Nervensystem ist nicht direkt durch unser Bewusstsein kontrollierbar. Indirekte Beeinflussungsmöglichkeiten sind z.B. körperliche Aktivität, Entspannung, mentale Techniken, Reflexzonentherapien, sanfte Massagen oder andere Maßnahmen zur Stressreduktion.

 

Viszerale Ebene:

Störungen oder Erkrankungen der Organe können Schmerzsyndrome auslösen. Z.B kann  eine  Erkrankung des Darmes die Beweglichkeit der Halswirbelsäule einschränken und Nackenschmerzen auslösen, oder Fehlfunktionen der Nieren können Schmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich verursachen.

 

Energetische Ebene:

Die energetische Ebene ist ein eigenständiges System und unabhängig davon, auf welcher Ebene sich das Problem befindet, kann in der Ebene immer untersucht und behandelt werden. Hierzu gehören z.B. Techniken aus der TCM oder auch die Ernährung. Bei der TCM muss beachtet werden, dass die energetische Behandlung keine einzelne Technik, sondern eine eigene philosophisch geprägte Medizin ist, deren Studium Jahre dauert. Deshalb werden einzelne kleine Bausteine in der Therapie als Ergänzung zur "westlichen Medizin" verwendet.

 

Psychoemotionale Ebene:

Diese Ebene verläuft wie die Energetische Ebene parallel zu den anderen Ebenen. Sie sollte immer mit berücksichtigt werden, da eine Wechselwirkung zwischen Körper und Seele besteht. Schmerzerleben und Schmerzverarbeitung sind Lernprozesse. Sie verändern das gesamte Erleben und Leben des Patienten. Bei Chronifizierung dreht sich ein Großteil des Lebens um das Thema Schmerz. Ein direktes Behandeln der psychoemotionalen Ebene ist allerdings im Rahmen der Physiotherapie nicht erlaubt. Diese Ebene lässt sich aus physiotherapeutischer Sicht insofern beeinflussen, dass durch Aufklärung, Entspannung und schmerzfreie Therapie das Lernverhalten des Patienten und der Umgang mit Schmerzen positiv beeinflusst werden. 

 

??? Ebene:

Je nach Ausbildungsstand kann das Ebenenmodell erweitert werden, z.B. um die ontogenetische Ebene, d.h. die Ebene der embryonalen Entwicklung oder der cranio-sacralen Ebene.